Geschichte des St. Galler Konzepts Integriertes Management

Prof. Dr. Dres. h.c. Hans Ulrich gründete 1954 das Institut für Betriebswirtschaft (IfB) mit der Überzeugung, eine theoretische Grundlage für die Unternehmung und ihre komplexe Einbettung in eine vielschichtige Umwelt zu schaffen. Zusätzlich sollte ein Bezugsrahmen für die zukünftige Aus- und Weiterbildung im Management, ein "Leerstellengerüst für Sinnvolles", aufgebaut werden. 

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich ab Mitte der 60er Jahre intensiv mit den wichtigsten Forschungsergebnissen der Systemtheorie und der Kybernetik - mit Ansätzen, die bisher nur marginal mit der Betriebswirtschaftslehre in Verbindung gebracht wurden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten konnte Hans Ulrich 1968 in seinem Hauptwerk "Die Unternehmung als produktives soziales System" veröffentlichen.

Darauf aufbauend entwickelte er das "St. Galler Management Modell", welches 1972 im gleichnamigen Buch - zusammen mit Dr. Walter Krieg - veröffentlicht wurde. Dieses Modell zeichnet sich durch drei zentrale Anliegen von Hans Ulrich aus:

  • Ganzheitliches Denken und Handeln im Umgang mit der Herausforderung "Komplexität"
  • Die Bedeutung einer anwendungs-orientierten Managementlehre für Führungspraxis und Weiterbildung
  • Integrative Ausgestaltung der normativen, strategischen und operativen Management-Ebenen im Rahmen eines umfassenden Gesamtkonzepts.

Im Gegensatz zu oft zitierter zeitgenössischer Literatur, die sich häufig nur auf einen Bereich oder Themenaspekt fokussiert, plädierte Ulrich bereits Anfangs der 70er Jahre für einen ganzheitlichen Umgang mit Management- bzw. Betriebswirt-schaftsthemen und betrachtete die Unternehmung erstmals als ein "System", welches intensiv im Austausch mit anderen Systemen steht. Eine Abkehr von den meist sehr mechanistischen und auf blosser "Rechnerei" basierenden Vor-stellungen eines Unternehmens.

Ganz in der jahrhundertealten Tradition der Wissensgenerierung und -verbreitung bildet dieses St. Galler Modell ein Brücke zwischen den einzelnen Disziplinen und möchte dem modernen Manager eine ganzheitliche Vorgehensweise zur Problem-bewältigung nahelegen.

1984 wurde Prof. Dr. Dres. h.c. Knut Bleicher Nachfolger von Prof. Dr. Dres. h. c. Hans Ulrich und u.a. Leiter des Instituts für Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Knut Bleicher entwickelte das Modell in Richtung eines anwendungs-orientierten Ansatzes zum "Konzept Integriertes Management". Dieses Konzept greift insbesondere die bei Ulrich hervorgehobene Management-Ebenen (normativ, strategisch, operativ) auf und verbindet sie durch eine "Harmonisierung" des "Dreiklangs" Strategie, Struktur und Kultur.

1991 wurde das betriebswirtschaftliche Standardwerk "Das Konzept Integriertes Management" erstmalig veröffentlicht (Campus Verlag). Ab 2005 erfolgte die Herausgabe der "Gesammelten Schriften" von Knut Bleicher in einer 6-bändigen Reihe "Meilensteine der Entwicklung eines Integrierten Managements" durch Christian Abegglen als Herausgeber. Der letzte Band wird anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Integrierten Konzepts 2016 publiziert.

Im Mai 2011 erfolgte - zum 20jährigen Jubiläum - durch die Unterstützung der Gesellschaft Integriertes Management sowie der St. Galler Business School die bereits 8. aktualisierte und ergänzte Auflage mit einem neuen Vorwort mit Ratschlägen an Führungskräfte von Prof. Dr. Dres. h.c. Knut Bleicher, ein Geleitwort über die Weiterentwicklung der St. Galler Managementlehre in die Praxis von Christian Abegglen, Geschäftsführender Direktor der St. Galler Business School und Präsident der Gesellschaft für Integriertes Management, sowie ein Zusatzkapitel "Das Konzept Integriertes Management in der Praxis" von Dr. oec. HSG Christian Abegglen, Peter Zehnder, lic. rer. pol. und Dipl. Betr.-Wirt Andreas Rippberger.

2013 übernimmt Dr. Christian Abegglen die Schriftleitung des Werks und Gedankenguts "Konzept Integriertes Management" von Knut Bleicher

Das St. Galler Management Modell
(Ulrich/Krieg 1972)

Das Konzept Integriertes Management (Bleicher 1991 bzw. 2011)